Mellrichstadt (hf). Wer an den Wochenenden am Gymnasium in Mellrichstadt vorbei geht, der wird sich so manchesmal wundern, wenn er aus den dortigen Unterrichtsräumen Trompeten, Saxophon oder Schlagzeug hört. Und wenn er ganz genau lauscht, dann wird er feststellen, daß diese Klänge gar aus verschiedenen Ecken der Schule kommen. Hier probt nicht das Schulorchester, sondern 88 Kinder und Jugendlichen bereiten sich auf die D1/D2 Prüfungen des Nordbayerischen Musikbundes vor. Die finden am kommenden Wochenende statt. Theorie und Praxis sind übrigens zu bewältigen, erklärt Friedhelm Landgraf. Er ist seit Jahren der Organisator dieser Ausbildung. „Die Schule eignet sich für uns hervorragend, weil sie großzügig gebaut ist, so daß die Schlagzeuger im Keller die Querflöten im Eingangsbereich ebenso wenig stören, wie die Trompeter im hinteren Trakt des zweiten Stockwerkes,“ sagt Landgraf.
„Na, das geht doch ein bisschen besser... genau so ist es richtig... ich weiß Du kannst das...“ Das sind die aufmunternden Worte, die die Musiklehrer ihren Schülerinnen und Schülern sagen, wenn die nicht gleich perfekt einmal die richtige Note kennen oder den Ton nicht entsprechend aushalten. Da greift Bezirksdirigent Jürgen Weyer auch selbst einmal zur Trompete und schnell hat er einige Noten dazu gespielt, die eigentlich gar nicht da stehen. Schmunzelnd meint er: „Ach das waren ja nur ein paar Flecken auf dem Notenblatt.“ Locker geht es zu bei den einzelnen Übungen und genau das ist es auch, was die Schülerinnen und Schüler begeistert.
Bei den Vorbereitungskursen in Mellrichstadt geht es den Fachdozenten vor allem um die richtige Atmung, Intonation, Dynamik, Artikulation, den musikalischen Ausdruck und auch die Klanggestaltung. Dies setzt voraus, dass bis zu Kursbeginn die vorgegebene Literatur jeweils für D1 oder D2 gründlich erarbeitet wurde, erklärt Friedhelm Landgraf bei einem Rundgang. So müssen die einzelnen Tonleitern mit Dreiklängen und die Prüfungsstücke natürlich „sitzen.“ Gleiches gilt für die Theorie. Hierbei dient der Lehrgang letzte wichtige Erkenntnisse zu grundlegenden Fragen zu erörtern und vor allem die Gehörbildung zu üben.
Die D1-Prüfung kann als eine „Einsteige-Prüfung“ gesehen werden. Das heißt es wird nicht mehr, aber auch nicht weniger als in den Noten steht, verlangt. Bei der D2-Prüfung wird neben der technischen Basis die Möglichkeit flexibler Klanggestaltung, sowie ein gewisses Maß an musikalischer Vorstellung vorausgesetzt. Hierzu ist die richtige Atmung, richtiger Ansatz und eine gute Luftführung erforderlich. Genau das erläutern Heinz Pallor (Mellrichstadt) und Ilka Fetter (Niederlauer) bei ihren Schülerinnen an der Querflöte. „Klappt doch schon ganz gut...“ hört man es lobend von den beiden Dozenten. Sie gehören zu dem großen Stab der Ausbilder, die sich in den Dienst er Musik stellen. Mit dabei sind aber auch: Norbert Glock, Unterwaldbehrungen Trompete, Flügelhorn, Ilona Zirkelbach, Schönau/Brend Saxophon, Tanja Domes, Bad Neustadt, Klarinette, Saxophon, Frank Stäblein, Nordheim/Rhön Schlagzeug, Pius Ziegler, Merkershausen Posaune, Tenorhorn, Waldhorn, Tuba, Bariton, Patrica Waldig, Aura a. d. Saale Klarinette und Stefanie Sauer, Münnerstadt für die Ausbildung am Fagott.
Die Kurse, die der Kreisverband des Nordbayerischen Musikbundes seit Jahren anbietet, werden insgesamt sehr gut besucht. Sie dienen der Hebung des musikalischen Leistungsstandes und sollen ein Anreiz zum Musizieren in der Instrumental-Ausbildung sein. Zur Vorbereitung dieser Prüfungen werden Lehrgänge durch die Kreisverbände, wie dieser Kurs zur Zeit im Gymnasium von Mellrichstadt, durchgeführt, allerdings auf Landkreisebene nur D1 und D2 Lehrgänge. Damit soll einerseits die Ausbildung in den Vereinen ergänzt werden, andererseits haben alle aktiven Musiker/innen die Möglichkeit, ihr Können von einer neutralen Prüfungskommission beurteilen zu lassen.
Die Lehrgänge ersetzen aber in keinem Fall eine fundierte Instrumentalausbildung der Musiker/innen. Eine Prüfungskommission besteht aus mindestens zwei Mitgliedern: dem Vorsitzenden und einem Fachprüfer für das jeweilige Instrument. Die Prüfung besteht aus einer schriftlichen (Theorie und Gehörbildung) und einem praktischen Teil (Instrument). Zur öffentlichen Dokumentation der abgelegten Instrumental-Prüfung erhält jeder Teilnehmer nach bestandener Prüfung das Musiker-Leistungsabzeichen in Bronze, Silber oder Gold und eine entsprechende Urkunde. Die 88 gemeldeten Teilnehmer kommen aus den einzelnen Musikvereinen. Insgesamt sind im Landkreis Rhön-Grabfeld 70 Musikvereine beim NBMB gemeldet. Am Samstagnachmittag wird sich ganz sicher bei der Übergabe der Zeugnisse wieder zeigen, daß wohl alle die Prüfungen gemeistert haben.
Beim Musizieren kommt es oft auf kleine Feinheiten an
Die Dozenten Heinz Pallor (Mellrichstadt) und Ilka Fetter aus Niederlauer mit ihren Schülerinnen. Sie geben oftmals kleine, aber ganz wichtige Tipps für das korrekte Beherrschen eines Instrumentes. Foto: Friedrich
Wenn es sein muß, greift Bezirksdirigent Jürgen Weyer aus Brendlorenzen auch selbst einmal zur Trompete, um dem Schüler das korrekte Anweisungen zu geben. Foto: Friedrich
Frank Stäblein ist mit seinen Musikern im Untergeschoß der Schule einquartiert. Hier können die Schlagzeuger sich auch einmal so richtig austoben – natürlich genau nach den vorgegebenen Noten. Foto: Friedrich


