Laienmusik ist die größte Bürger- und Friedensbewegung

Die angeborene Musikalität wird heute oftmals ignoriert

Geldersheim (hf). Einen kompetenten Referenten hatten die Verantwortlichen der Bezirksleitung des Nordbayerischen Musikbundes zur Jahresversammlung der unterfränkischen Musikkapellen, die im NBMB organisiert sind, zur Jahresversammlung nach Geldersheim eingeladen: Den bekannten Musikwissenschaftler Professor Dr. Hans Günther Bastian aus Frankfurt. Er befasste sich mit dem Thema „Kinder optimal fördern – durch Musik“. Seinen interessant gestalteten Vortrag unterstrich er mit Fernsehausschnitten der ARD und des NDR, die zu diesem Thema berichtet hatten und damit den Professor als Gesprächspartner zur Seite hatten.

Professor Bastian stellte seinen Vortrag zunächst unter das Thema „Musik ist eine Universalie, Musik macht klug, Musik motiviert, Schülerinnen und Schüler, die musizieren sind schlauer und auch netter. „Weil Rhythmus und Harmonie ins Tiefeste der Seele vordringen,“, das so Bastian, habe schon Sokrates geschrieben. Die Forschung habe das nun auch erneut bewiesen. Musik sei etwas eigen-artiges und deshalb dürfe Musik auch nicht sang- und klanglos untergehen.

„Wir müssen deshalb unserem Bildungs- und Kulturproblem den Marsch blasen,“ sagte der Musikwissenschaftler und ergänzte: „damit unseren Kindern der Himmel voller Geigen hängt.“ Musik sei eine Kultur, die mehr als bisher in den Blickpunkt gerückt werden müsse. Hart ins Gericht ging der Professor mit der Politik und meinte, daß der Staat an der Kultur genügend verdiene, allerdings nichts in diese investiere. Das sei erschreckend, ja skandalös. Gott sei Dank gebe es immer noch in starkem Maße die Laienmusik. Wer kann sich heute noch ein Fest ohne Blasmusik vorstellen, eine Welt ohne Märsche, eine Feier ohne Musik?

Mehr denn je müsse das Musikinteresse der Kinder geweckt und unterstützt werden. Mit der eigenen Musik könne jedes Kind sein eigener Walkman sein. Musik, so Professor Bastian, sei überall auch in jedem einzelnen Menschen. Selbst den Herzschlag der Mutter bezeichnete der Referent bereits als Musik, das erste, was ein Kind zu hören bekomme. Es gebe keine unmusikalischen Kinder, sie würden nur dazu gemacht. „Alle Menschen sind musikalisch und das von Geburt an – vielen wird es nur im Laufe der Zeit regelrecht ausgetrieben,“ stellte Bastian fest. Er nannte das Beispiel eines Kindes, das nicht den richtigen Ton trifft, das sei nicht das Problem. Auch dieses Kind sei musikalisch.

Kinder würden die Musik wie die Luft zum Leben brauchen. In diesem Zusammenhang ging Professor Bastian auf die derzeit in einigen Fernsehsendern laufenden Musikshows mit der Suche nach neuen Stars ein. Das sei oft grässlich anzuhören. „Da hat einmal einer aus einer Show so daneben gesungen, daß der Hund von Loriot um einiges besser war,“ sagte der Referent. Wichtig sei das Üben. Es bringe Hartnäckigkeit, nämlich an einer Sache dran zu bleiben, aber auch Genauigkeit und Disziplin. All das habe er selbst einmal an einer Berliner Schule untersucht.

Dabei stellte sich recht schnell heraus, daß die Musik dazu führt, daß die Kinder besser und lernfähiger werden. Über eine Million Daten wurden bei dem Versuch gesammelt und 180 Kinder einem Intelligenztest unterzogen. Dabei stellte sich bereits nach drei Jahren heraus, daß die musizierenden Kinder einen enorm höheren IQ hatten, als die anderen in der Klasse, die kein Instrument spielen. Wichtig sei es, von der Musik ergriffen zu werden. Der Professor verwies auf weitere interessante Informationen der Tests in Berlin. Es habe sich gezeigt, daß es in musizierenden Klassen keine ausgegrenzten Kinder gibt und die Gewaltbereitschaft schwächer wurde. Musik mache teamfähig und bringe Kinder dazu sich ein- und unter zu ordnen.

Gesteigert werde außerdem die Konzentrationsfähigkeit. Auf die Änderungen im Schulsystem eingehend meinte Professor Bastian, daß hier bei den Nachmittagsstunden mehr als bisher die Musik mit einbezogen werden müsse. Musik gehöre zum Menschsein und Musik brauche auch keinerlei Übersetzung. Das zeige sich immer wieder, wenn Menschen aus aller Herren Länder zusammen kommen und musizieren. Das Fazit des Frankfurter Musikwissenschaftlers: Die Liebe der Kinder zur Musik sollte mehr als bisher genutzt werden. Professor Dr. Hans Günther Bastian abschließend: „Musik am Ende? Nein! Am Ende ist Musik!“.