Bad Neustadt-Gartenstadt/Bad Königshofen (hf). Wer am vergangenen Sonntag in der Gartenstadt am Stadtsaal vorbei kam, der konnte meinen, daß dort ein ganztägiges Konzert stattfindet. Dem war allerdings nicht so. Derzeit probt das 60köpfige Bezirksjugendblasorchester Unterfranken in seiner 11. Arbeitsphase für Konzerte, die am 23. Oktober im großen Saal der Musikakademie Hammelburg, am 29. Oktober im großen Kursaal der Frankentherme Bad Königshofen und am 30. Oktober in der Dr.-Maria-Probst-Halle in Wasserlosen stattfinden. Termine, die man sich jetzt bereits vormerken sollte, denn das was die Musikerinnen und Musiker bieten ist Musik vom Feinsten.
Für diese Auftritte muß natürlich entsprechend geprobt werden und Bezirksdirigent Jürgen Weyer hat sehr gute Ohren, bricht öfter einmal in der Probe ab, läßt bestimmte Passagen noch einmal spielen, bis alles so „sitzt“ wie es der Komponist auch vorgesehen hat. Acht bis zehn Stunden haben die Musikerinnen und Musiker durchschnittlich geprobt, waren dazu von Freitag bis Montag vergangener Woche in der Bayerischen Musikakademie Hammelburg und nun bei einem Probewochenende in der Gartenstadt Bad Neustadt. „Bis zum Abend schmerzen da manchesmal nicht nur die Lippen der Bläser, sondern auch die Finger, Köpfe und Nacken. Und es wird nicht dabei bleiben, denn bis zum Auftritt steht noch einmal ein Probewochenende bevor.
Geld bekommen sie allesamt übrigens keines für ihre musikalische Tätigkeiten. Im Gegenteil: Die Musikerinnen und Musiker bezahlen dafür, daß sie an der Probephase des Auswahlorchesters des Nordbayerischen Musikbundes teilnehmen dürfen. Selbst der Orchesterleiter, Bezirksdirigent Jürgen Weyer arbeitet ehrenamtlich. Wer ihn bei seinen Proben erlebt, der wird schnell feststellen, daß er durch seine Energie die 60 Musiker begeistert und mitreißt. Warum nehmen junge und junggebliebene Musikerinnen und Musiker zwischen 14 und 28 Jahren in ihrer Freizeit diese harten Proben auf sich? Es ist vor allem die Musik, die sie alle begeistert, ganz sicher aber auch die Kameradschaft und der Gemeinschaftssinn und natürlich die Freude auf die Konzerte.
In jedem Fall laufen die Proben sehr diszipliniert und vor allem konzentriert ab. Natürlich bleibt auch die Kameradschaft und das Zusammensein nach den Proben nicht aus. So wurde zum Beispiel im Felsenkeller der Musikakademie Hammelburg gefeiert. Auch das gehört dazu, sagt Bezirksdirigent Jürgen Weyer, der auch auf das anspruchsvolle Programm verweist. Klassische Ouvertüren wie Mozarts Zauberflöte, Verdis Nabucco oder die „Fledermaus“ von Johann Strauß. Wohl oft Lieblingsstücke der Großeltern der Musikerinnen und Musiker, aber die sind voll mit dabei und holen das letzte aus ihren Instrumenten heraus.
Natürlich suchen so manche Teilnehmer auch die Herausforderung. Wie gewöhnlich stehen auch Oberstufen-Pflichtstücke für die Wertungsspiele des Nordbayerischen Musikbundes auf dem Programm. In diesem Jahr ist es „Postcard from Singapore“ von Philip Sparke. Die Möglichkeit, solche Werke zu spielen, haben die Musiker, die in den Kapellen und Blasorchestern in ganz Unterfranken spielen, in ihren Heimatvereinen nur selten. Im Bezirksjugendblasorchester lernen sie Musik, die über die traditionelle Blasmusik hinaus geht. Außerdem können sie ihre musikalischen Fähigkeiten einbringen und ausbauen. Jürgen Weyer verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß viele der Teilnehmer das Goldene Leistungsabzeichen besitzen.
„Und wenn dann nach Stunden und Tagen harten Probens plötzlich der Zauber eines Stückes zwischen den schwindelerregenden Noten hindurchschimmert, die Musik zu leben beginnt, dann werden die Musikerinnen und Musiker für ihren Einsatz mehr als entschädigt,“ sagt Bezirksdirigent Jürgen Weyer. Da sei es dann des öfteren der Fall, daß mit einem Lächeln auf den eigentlich schmerzenden Lippen der letzte Ton verklingt. Der oft langanhaltende Beifall der zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhören bei den Konzerten ist dann Lohn für das wochenlange Proben und gibt auch wieder Mut weiter zu machen. Die Termine: 23. Oktober um 11 Uhr in Hammelburg im Großen Saal der Bayerischen Musikakademie, am 29. Oktober um 19.30 Uhr im großen Kursaal der Frankentherme Bad Königshofen und am 30. Oktober um 17 Uhr in der Dr.-Maria-Probst-Halle in Wasserlosen. Der Eintritt beträgt sechs Euro, ermäßigt vier Euro.

